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100 Jahre Bauhaus

2019 ist Bauhaus-Jahr. Denn dieses Jahr feiert die Kunstschule ihren hundertsten Geburtstag. 1919 wurde die Kunstschule in Weimar gegründet und sollte die Art und Weise, wie wir Dinge betrachten, bauen und entwickeln, nachhaltig verändern. Und du wirst überrascht sein, wie viel Bauhaus in unserem Alltag steckt. Ein Portrait zum Jubiläum:

Geschichte des Bauhaus

Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar durch die Vereinigung der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule Weimar ins Leben gerufen. Der Gründer von letzterer, der Niederländer Henry van de Velde, hatte schon vieles von der prägenden Philosophie vorbereitet und angewendet.

Erster Bauhaus-Direktor wurde Walter Gropius. Unter seiner Leitung wurde das Ausbildungsprogramm entwickelt und der Grundgedanke ausgebaut. Als Lehrer konnten viele damals schon bekannte Künstler wie Paul Klee, Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger oder László Moholy-Nagy gewonnen werden. Eine erste Ausstellung 1923 gab Einblicke in das Schaffen und das Anliegen der Kunstschule mit einem Programm, das fast alle schöpferischen Disziplinen vereinte. Es entstand das Musterhaus „Am Horn“, ein Gemeinschaftswerk aller Bauhaus-Werkstätten.

Als die rechtsnationale DVP 1924 in Thüringen an die Macht kam, halbierte sie den Etat der als links und internationalistisch geltenden Schule, worauf das Bauhaus 1925 nach Dessau umzog. Es entstand das berühmte Bauhausgebäude unter Federführung von Gropius. 1928 übernahm der Schweizer Architekt Hannes Meyer die Leitung, unter dem sich das Bauhaus noch stärker auf Industriedesign und Architektur ausrichtete. Als er wegen seiner sozialistischen Positionen durch den Dessauer Oberbürgermeister entlassen wurde, wurde Ludwig Mies van der Rohe als neuer Leiter eingesetzt. 1931 bewirkte die an die Macht gekommene NSDAP die Schließung des Bauhauses. Mies van der Rohe versuchte, das Bauhaus in Berlin-Lankwitz als private Einrichtung weiterzuführen, unter dem Druck der Nationalsozialisten musste es jedoch 1933 aufgeben und schließen. Viele Bauhaus-Lehrer wie Schüler emigrierten und wirkten in Folge in Israel und den USA.

 

Das Bauhaus-Gebäude in Dessau

Grundideen des Bauhaus

Gropius verfolgte mit dem Bauhaus das Ziel, die Trennung zwischen darstellender, bildender und angewandter Kunst zu überwinden. So gingen die Schüler erst einmal durch die Vorlehre, in der sie sich mit Form- und Materialkunde befassten, danach näherten sie sich in der Werklehre den gestalterischen Prinzipien in verschiedenen Werkstätten, im dritten Jahr ging es in die Baulehre. Von Anfang an war das Bauhaus stark auf Architektur ausgerichtet. So hieß es in Walter Gropius‘ Bauhaus-Manifest:

„Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau! (…) Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! (…) Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers.“

Unter dem Einfluss der De Stijl-Bewegung (auch Mitgründer Theo van Doesburg gab Kurse am Bauhaus) entwickelte sich eine Vorliebe für geometrische Grundformen. Am Bauhaus lehrten viele Vertreter der Richtung, die wir heute als Neue Sachlichkeit kennen.

Besonderer Gegenstand des Bauhaus war die Schnittstelle von Industrie und Kunst – das, was wir heute als Industriedesign kennen, fand dort seine Ursprünge. „Kunst und Technik – eine neue Einheit“ lautete der Titel des programmatischen Vortrags, den Gropius zur Eröffnung der Bauhauswoche 1923 hielt. Speziell ab der Dessauer Phase befassten sich Bauhaus-Meister damit, Gegenstände für die industrielle Fertigung zu gestalten. So gestaltete Marcel Breuer die ersten Freischwinger-Stühle und andere Möbel aus Stahlrohr.

 

Links: Gründer und erster Direktor Walter Gropius, Mitte: Marcel Breuer in seinem Stahlrohrstuhl, rechts: Josef Albers

Was ist der Bauhausstil?

Wegen seiner stilprägenden Philosophie und Erzeugnisse ist das Bauhaus synonym geworden mit einem modernen, sachlichen und formal reduzierten Look. Unter Kunstexperten wird dieser Begriff jedoch so nicht verwendet, da rechnet man die Bauhaus-Stücke eher den kunsthistorisch definierten Stilrichtungen wie Expressionismus, Modernismus, Konstruktivismus, Neue Sachlichkeit etc. zu.

Zudem wird die Reduktion auf einen bestimmten Look der Vielfältigkeit der verschiedenen Werkstätten nicht gerecht. Schließlich war ihr Anspruch in erster Linie, Schüler auszubilden, und nicht, einen neuen Stil zu entwickeln.

Dennoch haben sich ein paar gestalterische Merkmale als „typisch Bauhaus“ etabliert, die bis heute ihre Spuren im Design hinterlassen haben. Das ist vor allem die Reduktion, das Weglassen von allem Zierrat und die Fokussierung primärer geometrischer Formen, sowie eine reduzierte Farbpalette. Neben den Nichtfarben Grau, Schwarz und Weiß, verwendete man insbesondere die Primärfarben Rot, Blau und Gelb.

 

Bauhaus-Möbel

Unter seinem zweiten Leiter Hannes Meyer wurde das Bauhaus zur „Schule für Gestaltung“ und etablierte das Design als eigenständige, von der Kunst unabhängige, Disziplin. In dieser Zeit schufen die Bauhaus-Meister zahlreiche Möbelklassiker, die bis heute gebaut oder zitiert werden. Da wäre zum Beispiel der bereits genannte Freischwinger, an dem Marcel Breuer, Mart Stam und Ludwig Mies van der Rohe arbeiteten. Bekannt sind auch die geometrischen Alltagsgegenstände von Marianne Brandt, die Bauhaus-Leuchte von Wilhelm Wagenfeld, oder Ludwig Mies van der Rohes Polstermöbel-Serie Barcelona.

 

In modernem Design leben viele Ideen des Bauhaus fort

Happy Birthday Bauhaus!

Klar, dass das hundertjährige Gründungsjubiläum dieser bedeutsamen Institution gefeiert werden muss. Und im Geiste der Gründerväter gerät das Jubiläum nicht zur reinen rückwärtsgewandten Nostalgieveranstaltung, sondern wird unter dem Motto „Die Welt neu denken“ abgehalten. Neben umfangreichen und neu konzipierten Ausstellungen in den Bauhaus-Museen in Weimar, Dessau und Berlin stehen ein Festival, Nachwuchsprogramme für Schüler und Diskussionen in Panels auf dem Programm.

Mehr erfährst du hier:

https://www.bauhaus100.de/das-jubilaeum/

http://www.bauhaus-imaginista.org/

https://www.grandtourdermoderne.de/