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Trend “Hygge” – das dänische Wohnglück

 

“Hygge” [ˈhygə] Adjektiv & Adverb: “hyggeligt”:  Dänisch für Komfort, Bequemlichkeit, Wärme, Gemütlichkeit.

Ein Wort macht sich auf eine Reise durch die Wohnwelt  – obwohl es ganz schön komisch aussieht und gar nicht einfach auszusprechen ist, (nämlich “hüh-ge”, mit weichem “g”) ist das Wörtchen momentan auf internationalen Trendlisten allgegenwärtig. Kein einzelnes deutsches Wort trifft die Übersetzung von “Hygge” oder seinem Adjektiv oder Adverb “hyggeligt” (gesprochen: hüh-ge-li) genau. In Skandinavien ist “Hygge” auch nichts Neues, aber weil es sich um ein Rezept für Geborgenheit und Sicherheit handelt – beides dringende Sehnsüchte unserer Zeit – hat “Hygge” es gerade jetzt zum Wohntrend 2017 geschafft. Aber was ist damit eigentlich genau gemeint?

“Hygge” ist kein Möbelstück oder Deko-Gegenstand, sondern ein Gefühl. Dessen Ursprung und Geheimnis liegen im Nachbarland Dänemark. Unsere direkten Nachbarn haben mit “Hygge” eine Art “Anti-Trübsal Formel” entworfen, die ihre Wohnungen beseelt und damit die eigenen vier Wände noch intimer und lebenswerter macht. Aus der Verlockung heraus, das gewisse “dänische Extra” zu begreifen, ist die home24 Redaktion auf Spurensuche in Kopenhagen gegangen.

 

Kopenhagener Klassiker: Möbel im Retro-Stil erlangen durch helle Buche ein modernes Update. Hier unsere Serie 'Finsby'.

 

“Hyggeligt!” hört man in Kopenhagens lauschigen Sträßchen öfter aus Gesprächsfetzen heraus. Sogar so oft, dass schnell klar ist: “København” ist die Hauptstadt der “Hygge” und“Hygge” selbst wohl das Gemeinschaftsgefühl, das die Landsleute miteinander verbindet. Und das stimmt! Der Ausdruck bringt die dänische Lebenseinstellung auf den Punkt. Und ist zugleich das wichtigste “Accessoire” des dänischen Wohngefühls und somit Lebensglücks.

 

Altbaucharme, Fahrradglück und wo man hinsieht, wie zufällig platziertes Design: 'København' ist eine Schatzkammer der 'Hygge'-Inspiration. Foto oben Mitte: Allee im 'Assitens Kirkegård' Friedhof in Nørrebro, beliebter Park und Ruhestätte von Søren Kierkegaard und Hans Christian Andersen u.a.. Weitere Fotos: Altbauten in Vesterbro. Foto links unten: Kopenhagens bester Kaffee aus der Rösterei 'Kontra Kaffe' in Østerbro.

 

 

Wie geht “Hygge”? Man ahnt, dass die dänischen Nachbarn richtig gut wissen, wie man es sich drinnen gemütlich macht, weil das Wetter im Königreich praktisch immer schlecht ist. Tatsächlich sitzt man in Kopenhagener Altbauten mit Stuck verzierten Decken und knarzenden Holzdielen sommers wie winters vor Kamin oder im Kerzenschein. Auch in Cafés oder öffentlichen Räumen, wie Bibliotheken, Büros oder Banken werden echte Kerzen angezündet. Angst vor etwaigen Bränden hält hier nämlich niemanden vom Genuss des gemütlichen Lichts ab. Kaum ein Hausfenster in Kopenhagens Stadtteilen Vesterbro oder Nørrebro, das abends nicht durch etwa beliebte kubische Kerzenleuchter und weitere warme Lichtquellen erleuchtet wird. Gardinen, Jalousien oder Rolladen sind unpopulär; in Kopenhagener Stuben kann man bestens reingucken und  “Hygge” beobachten.

 

Dänische Schönheiten: Die zentrale 'Königin Louise Brücke' im Mondlicht. Kubische Kerzenleuchter und Leinentischdecke. Herrlich erleuchtete Stuben in Vesterbros 'Oehlenschlægersgade'.

 

Knautschige Sofas, bedeckt von Wolldecken mit coolen Grafik-Mustern, Felle, Kissenparaden und lässig an die Wände gelehnte Museumsposter in Holzrahmen: Der Skandi-Wohnstil ist kreativ, aber nicht übertrieben. Seine praktische Natur und Schlichtheit macht Imitation leicht. Elitär oder teuer ist er auch nicht und durch viel natürliche Materialien und wenig Krimskrams, der schnell kaputt gehen könnte, auch besonders kinderfreundlich. Irgendwo in den nordischen Wohnungen stehen bestimmt kleine Holzfigürchen zur Deko und man bietet sich Heißgetränke gerne in kunterbunt gemixtem Vintage-Porzellan an.

 

Must-Haves: Gerahmte Stadtteil-Plakate und massive Holzfigürchen machen den entspannten Kopenhagen-Stil perfekt.

 

Gemeinsam essen und trinken gehört nämlich ebenso zu “Hygge” wie gute Konversation über das Schöne und Angenehme des Lebens. Der Däne ist ein “Strahlemann”; quasi der “Italiener des Nordens”, denn “Hygge” und “Dolce Vita” haben durchaus Parallelen. Ebenso wie bei den Südeuropäern sind auch Fremde stets willkommen, bei  “Hygge” mitzumachen. Beim Willkommen wird ein Gast nicht etwa gebeten, seine Schuhe auszuziehen, weil die Gastgeber Straßenstaub in ihren Stuben fürchten. Vielmehr, um den Freund einzuladen auf des Hausherren Sofa und Sessel zu fläzen – die Füße auf die Polster zu legen und sich angenehm zu entspannen!

 

Das dänische Glücksrezept 'Hygge' bedeutet auch, gemeinsam stundenlang zu essen und zu plaudern. Die Skandinavier lieben daher lange Tafeln, denn je mehr Freunde zusammenkommen, desto ausgelassener wird's.

 

Aus einem heimeligen und wohligen Gefühl heraus entsteht aber kein eigener Wohntrend – oder doch?

Natürlich reicht nicht allein das Händchen für das Platzieren von Fellen oder Wolldecken aus, um einen inspirierenden Stil zu schaffen. Die scheinbar angeborene Stilliebe für die Kombination von praktischen Formen und angenehmen, hellen Farbtönen kommt den Skandinaviern zur Hilfe. Zum Schmunzeln schön, da schon ein wenig klischeehaft, finden sich in dänischen Wohnungen mindestens zwei Möbelstücke oder Accessoires aus dem großen Schatzgut des berühmten dänischen Möbeldesigns. Dennoch: Original Louis Poulsen Leuchten oder Hans J. Wegner Stühle dienen hier nicht dem Vorzeigen von sozialem Status. Man ist einfach stolz auf die eigenen Designklassiker.

Diese haben übrigens seit Mitte des 20. Jahrhunderts besonders schnell die Welt erobert, weil sie (im Gegensatz zu vielen ikonischen Möbeldesigns aus Italien oder Frankreich) sympathisch massentauglich daherkommen. Schließlich sind sie wenig teuer in der Produktion, aber dennoch dank natürlicher Materialien nachhaltig und gleichzeitig geschmacklich zeitlos.

Möbel werden in Dänemark geliebt, gelebt, genutzt, abgewetzt, und hin und wieder durch neue Farbtrends modernisiert – aber niemals ins eigene Heim geschleppt, um einfach nur gut auszusehen. Ideenreichtum und kreativer Ausdruck  sind für Dänen nämlich ebenso Nationalgut wie Hans Christian Andersens Märchen.

 

Ohne Holz kein 'Hygge'-Gefühl. Schlichtes Weiß sorgt dafür, dass die coole, nordische Note ebenfalls betont wird. Dänen lassen außerdem gerne Raum im Raum. Schrankwände sind weniger beliebt als Kommoden - hier aus unserer Serie 'Loca'.

 

Gemeinsam glücklich, zufrieden und vor allem gemütlich leben – wer möchte das nicht?

Die Säulen des “Hygge”-Gefühls sind also: Glück im Einfachen und Praktischen. Zelebrieren von gemütlicher Gemeinsamkeit unter Freunden und Familien und Mitmenschen. Und Fokus auf entspanntes Wohlfühlen im eigenen Zuhause.

Vor allem die positive Einstellung erzeugt also das ultimative “Wohnwohlgefühl”. “Hygge” (als Begriff übrigens ebenfalls auch schon lange in Norwegen, Schweden und Finnland verwendet) können wir hierzulande ganz sicher auch. Stilvolle Skandi-Möbel bekommst du bei home24, hier verraten wir noch weitere kleine Zutaten, mit denen du es dir einfach richtig “hyggeligt” machen kannst.

 

Typisch dänisches Interior im 'Danish Mid-Century' Stil der 50er Jahre. Indoor-Gärtchen werden 2017 ein großer Trend, in Kopenhagen begrünen sie bereits die 'Hygge'- Stuben.

 

1. Schaffe dir deine persönliche “hyggekrog”

Wenngleich nichts heimeliger ist als ein Kamin, diesen benötigst du nicht unbedingt. Dänen legen generell weniger Wert auf viele klobige Möbel oder perfekte Aufgeräumtheit, achten dafür eher auf persönliche Details. Für den einen ist es die Lieblingsduftkerze, für den anderen der Genuss des Kaffees aus handbemaltem königlichem Porzellan, das an Oma (“Mormor”) erinnert. Finde also zuerst heraus, was du liebst, denn das wird dein “Hygge”-Gefühl hervorrufen und ist daher auch dein “Hygge”-Must-Have. Dann gestalte deinen persönlichen “hyggekrog”, also deine “Kuschelecke” – ob auf Sofa, im Fenstererker oder deinem Lieblingssessel. Kissen, Decken und Felle kannst du gar nicht genug dazu legen. Klassische “Hygge”-Faktoren: Lieblingstee, ein spannendes Buch und eine leckere kleine Sünde, wie Schokolade oder eine Zimtschnecke (“Kanelsnurre”).

 

Hygge geht durch den Magen: 'Kanelsnurre', Kaffeestunde mit Søren Kierkegaards 'Entweder/Oder', dänischer Würstchenschmaus ('Pølser'), das beste Craft-Beer 'Mikkeler' und 'Smørrebrød' im Café 'Dyrehaven' am Sønder Boulevard.

 

Wenn du Lust auf Deko hast, lege dir außerdem diese “Hygge-Basics” zu:

Einen oder mehrere Kerzenständer oder Leuchter. In Dänemark stehen solche Objekte nicht nur auf dem Tisch, sondern auf den Fenstersimsen.

Mehrere Vasen in verschiedenen Größen. Egal ob royal-chic aus weißem Porzellan oder retro-cool in der Vintage-Steingutvase – Dänen arrangieren wilde Blumen oder Äste nicht nur am Wochenende, sondern für jeden Tag.

Holz. Ob an Mobilar oder Accessoires, ob helle Birke oder dunkles Teak – Skandi-Charme wird am stärksten von der Natürlichkeit von Holz hervorgerufen. Kleine Holztiere, wie zum Beispiel ein Äffchen oder Vögelchen erzeugen spielerische Atmosphäre und wirken gleich total sympathisch. (Message: Sich selbst nicht zu ernst nehmen, das tut nach dem Prinzip “Hygge” richtig gut!)

 

Blau bemaltes Porzellan, wie zu Großmutters Zeiten gehören in jede 'Hygge'-Küche. Design-Lampen und Kerzenständer kann man in Kopenhagen nie genug haben. Statt Autos sind Fahrräder Status-Symbole im kleinen Königreich.

 

2. Lade dein “Hygge-Social Network” zu dir ein

Wenngleich man “Hygge” auch alleine genießen kann, geht es vornehmlich um die Momente, die geteilt werden. “Hygge-Menschen” sind keine Einzelgänger. Zum Einkaufen, Kochen, Essen, Sport oder was die Freizeit sonst bieten mag, trifft man sich in Familiengruppen oder mit mehreren Freunden.

Wichtiges Standbein von “Hygge” sind Traditionen und Rituale. Den klassischen Weihnachtsnachtisch “Risalamande” isst man mit der Familie und kürt denjenigen zum König, der die versteckte Mandel im Milchreis findet. Brettspiele sind in Dänemark nicht nur für Kinder, sondern beliebte abendliche Gemeinschafts-Ereignisse. Ohne die Neujahrsansprache der Königin Margarethe im Fernsehen oder auf dem iPad beginnt kein neues Jahr für einen Dänen – auch wenn er sich sonst nicht viel um sein Königshaus (“Kongehuset”) kümmert. Die Liste ließe sich endlos fortführen. Egal, auf welche Art gefeiert und zelebriert wird – die Verbundenheit mit Mitmenschen (und Tieren) zuhause oder draußen, das ist “Hygge” pur.

 

In Skandinavien gehören Möbel zur Familie - deswegen ist ein Esstisch erst ein Esstisch, wenn alle an Bank und Stühlen Platz finden!

 

3. Lass “Hygge” in dein Herz

Ohne die Einstellung wird auch das schönste Skandi-Interior niemals wirklich “hyggeligt”. “Hygge” muss man ins Herz reinlassen, und das geht so: Schalte ab vom Stress, wenn der Arbeitstag vorbei ist! Verabschiede dich vom Optimierungszwang. Und begegne deinen Plänen und Wünschen mit Offenheit, anstatt mit verbissener Fixierung auf einen bestimmten Ausgang oder Erfolg. Tatsächlich verstehen sich vor allem die Dänen (aber auch Norweger, Finnen, Isländer und Schweden) darauf, sich einfach per “Pausetaste” ins Innere zurückzuziehen. Auch wenn der Alltag nicht weniger hektisch ist, überfüllte Kaufhäuser und Gedrängel an den Fahrrad-Ampeln in Kopenhagen genauso nerven wie in Berlin – nach der Arbeit nach Hause gekommen, spricht man einfach nicht mehr über seinen Stress, sondern widmet sich dem Schönen.

Ob die Dänen deswegen sogar als das “glücklichste Volk der Welt” bezeichnet werden? Natürlich ist dies romantisiert und vor allem in Dänemark eine ziemlich umstrittene “Wahrheit”. Aber trotzdem ist mehr Gelassenheit und mehr Freundlichkeit auf den Straßen Dänemarks spürbar. Die eigentliche Kunst ist es wohl, bewusst den Fokus aufs eigene Wohl zu lenken. Wer sich wohl fühlt, ist schließlich auch gut zu anderen. “Hygge” ist demnach eine Haltung, die wir alle haben können.

Der kompromisslose Hang zum Warmen, Kuscheligen und Fröhlichen - und das ganz ohne schlechtes Gewissen -  schenkt dir auf jeden Fall die Möglichkeit, das Leben mit dir und deinen Mitmenschen ein bisschen positiver zu leben. Und von diesem Spirit sollte dein Zuhause auf jeden Fall bewohnt werden!

 

Warm erleuchtete Fenster im bourgeouisen Frederiksberg. So geht das Hygge-Styling: ein massiver Holzstuhl oder robuste Beistelltische sorgen automatisch für uriges Wohlgefühl.

 

Lust auf Dänemark bekommen? Hier sind noch zwei gute Gründe für ein “Dänisches Jahr” 2017:  Åarhus ist Europaische Kulturhauptstadt und Kopenhagen feiert 850-jähriges Stadtjubiläum.

www.visitaarhus.de

www.visitcopenhagen.de