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Im Interview: Plajer & Franz

Plajer Franz Interview

Eine Agentur für intelligente Brand-Architektur? Was kann das bloß sein? Der CEO von Plajer & Franz Studio, Werner Franz, klärt uns auf!

Die international agierende Agentur bietet ihren Kunden – zu denen international renommierte Department Stores, Hotels und Bars gehören – Design, Interior und Design-Konzepte: Quasi ein allumfassendes Rundumpaket. Eine Anlaufstelle, eine große Antwort auf alle Fragen. Dazu gehört auch die Entwicklung der Corporate Identity und des Konzept-Designs sowie die Rollout-Betreuung und Unterstützung im Grafikdesign.

Plajer & Franz für Galerie Lafayette

Jetzt wird der Begriff der intelligenten Brand Architektur wohl schon etwas klarer, oder?

Dieses Konzept überzeugt und hat bereits viele internationale Unternehmen dazu bewegt, den Service in Anspruch zu nehmen. Zu den Kunden von Plajer & Franz gehören unter anderem Karl Lagerfeld, Galeries Lafayette, Puma, BMW, Levi’s, Timberland und, und, und.

Wir haben mit Werner Franz von P & J über Trends und Herausforderungen gesprochen.

PJ_01Die beiden CEOs von Plajer & Franz: Werner Franz und Alexander Plajer 

Magazin: Werner, du sitzt ja nun wirklich an der Quelle allen Ursprungs. Bei euch laufen Trends, Analysen und Umsetzung in allen Varianten zusammen. Welche Trends werden sich deiner Meinung nach dieses Jahr durchsetzen?

Werner Franz: Zunächst einmal geht es in der Brand-Architektur verstärkt um das „große Konzept“, d. h. Store-Design bzw. Store-Architektur ist ein integrativer Teil des großen Ganzen. Und das Ganze beinhaltet: Positionierung, Markenkommunikation, Marketingstrategien, Produktdesign und alle anderen Aktivitäten der Marke und ihrer Darstellung. Dabei ist das Schlagwort „Authentizität“ noch wichtiger als je zuvor. 

Der Trend geht in Richtung: neue Einfachheit. Minimalismus, eine schlichte Warenpräsentation und der Versuch, „Online“- und „Offline“-Verkauf zu vereinen. Was wir auch immer häufiger sehen, sind temporäre Verkaufsflächen. Für besondere Aktionen werden Räume und Flächen zeitlich begrenzt genutzt, z. B. als Pop-up-Stores, Instore-Installationen etc.

Außerdem ist Flexibilität generell ein wichtiger Punkt im Store-Design: Das soll auch durch leichte Veränderung an die Ware angepasst werden können.

Plajer & Franz für Puma

M: Was wird wohl ganz aus deutschen Heimen bzw. aus der Inneneinrichtung im Generellen verschwinden?

WF: Ganz eindeutig ist der Industrial-Look sowie der Shabby-Look als Trend im Retail-Design auf dem Weg, sich zu verabschieden.

Es wird grundsätzlich etwas ruhiger. Der „bunte Mix“, in dem keine klare Linie herrscht und der unterschiedliche Zielgruppen bedienen möchte, wird abgelöst von einem mehr homogenen, fokussierten Store-Design.

M: Wie hat sich die Szene in den letzten Jahren entwickelt?

WF: Alles dreht sich grundsätzlich etwas schneller und auf mehreren Kanälen. Die Marken suchen neue Wege, um sich zu präsentieren und mit ihren Endkunden zu „flirten“, beispielsweise mithilfe von Pop-up-Stores, Events oder Social Media.

In Bezug auf das Produkt findet heute viel mehr Inszenierung statt als früher. Für die Produkte werden Produktwelten erschaffen und das Store-Design erzählt Geschichten. Außerdem spiegelt das Store-Design – neben der Markenphilosophie und den Markenwerten – das Lebensgefühl der Kunden wider.

Im Store von Puma: iPads helfen bei der Kaufentscheidung 

M: Hat die Digitalisierung in unserem Alltag die Welt des Interior‐Designs auf irgendeine Art und Weise verändert?

WF: Die Digitalisierung ist eigentlich in jeden Lebensbereich eingedrungen. Das betrifft auch die Innenarchitektur. Gerade im Retail-Design spielt es eine wichtige Rolle, da viele Marken die Digitalisierung in ihre Strategien und teilweise auch Philosophien eingliedern. Und nachdem das Store-Design eine authentische Reflektion der Markenwelt ist, kommt der Digitalisierung ein wichtiger Platz zu. In den KARL LAGERFELD Stores beispielsweise sind iPads an den Warenpräsentationssystemen befestigt und zeigen die gesamte Ready-to-wear Kollektion bzw. Videos aus dem Hause KARL LAGERFELD. In den Kabinen hängt ebenfalls ein iPad, mit dem man sich in den Outfits fotografieren und sie dann mit Freunden auf den bekannten Social-Media-Kanälen teilen kann. Außerdem kann man mittels der iPads mit dem Designer Karl Lagerfeld Kontakt aufnehmen!

M: Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

WF: Wir gehen mit offenen Augen durch die Welt und tauschen uns aus! Gerade durch unsere internationalen Projekte reisen wir viel und sehen dadurch auch andere Denkansätze!

Meister des Stilbruchs: Industrial trifft auf geradliniges Design 

M: Wie gehen Sie an ein Projekt heran?

WF: Zuerst müssen wir die Marke kennenlernen und sie verstehen. Dazu gehören Fragen beantwortet: Was ist die Markenphilosophie? Was sind die Markenwerte? Welche Strategie wird verfolgt? Dieser Prozess des Kennenlernens steht am Anfang von allem. Erst danach können wir ein Konzept für diese Marke erarbeiten.

Das Konzept entsteht in Zusammenarbeit mit dem Kunden. Es ist ein Miteinander, bei dem das gemeinsam verfolgte Ziel – eine tolle Inszenierung des Produkts! – stets im Fokus steht. Hierbei geht es darum, dem Produkt die Hauptrolle zu geben und ihm eine entsprechende Bühne zu gestalten. Anpassung, Kompromisse und variable Lösungsansätze gehören natürlich dazu.

M: Welches war Ihr herausforderndstes Projekt?

WF: Galeries Lafayette in Jakarta. Ein Department Store für eine französische Traditionsmarke, die zum ersten Mal auf dem asiatischen Markt auftritt. Dieses Projekt verlangte viel Planungsgeschick, vor allem im Hinblick auf die Mentalität und Kultur der indonesischen Kunden. Diese mussten wir zuerst einmal kennen- und verstehen lernen, um dann die DNA der Marke Galeries Lafayette entsprechend zu reflektieren. 

Galeries Lafayette in Jakarta 

Im Store von Galerie Lafayette in Jakarta

Das Projekt KARL LAGERFELD war natürlich auch ziemlich herausfordernd. Aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades der Person Karl Lagerfeld und seiner Präsenz in den Medien haben die meisten eine Vorstellung davon, wie Karl Lagerfeld als Person ist … demnach sollte das Store-Konzept für seinen ersten Concept Store in Paris umso mehr stimmen, d. h. der hohen Erwartungshaltung gerecht werden und dabei trotzdem überraschen.

All black & white: der Concept Store von Karl Lagerfeld in Paris

Im Store von Karl Lagerfeld: reduzierte Einrichtung und Avantgarde-Akzente 

M: Haben sich die Anforderungen und Wünsche Ihrer Kunden verändert?

WF: Generell könnte man sagen, dass Kunden heute anspruchsvoller sind und ihre Erwartungen höher. Zwei Wünsche, die in letzter Zeit im Retail-Bereich sichtbar wurden: klare Formsprache und eine gute Lösung für die Schnittstelle zwischen Offline- und Online-Handel.

M: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Form von Materialien und Design bei Ihnen?

WF: Nachhaltigkeit ist nicht mehr Trend, es ist Standard. Wenn es möglich ist, versuchen wir, eine nachhaltige Lösung zu wählen. Allerdings kann die Verbindung von nachhaltigen Lösungen und das Einhalten von Budgets durchaus eine große Herausforderung sein.

Manchmal erfordert es eben einen Kompromiss. Zum Glück arbeiten wir meist mit Kunden zusammen, die den Nachteil von kostengünstigen und schnellen Lösungen kennen.