LIFESTYLE

Living in the Loft

Mit den Loftwohnungen ist es wie mit so vielen Dingen im Leben: Aus der Not geboren, will sie heute jeder. In den 40er Jahren wurden in New York und London erstmals alte Fabrikhallen und Speicher zu Wohnungen umgestaltet.

 

Viele Künstler erkannten die Vorteile der meterhohen Decken, riesigen Fenster und des massiven Raumangebots, das sie gleichzeitig zum Arbeiten und Leben nutzen konnten. Natürlich mit erheblichen Abstrichen bei Heizkosten, Privatsphäre oder Sanitäranlagen – schließlich wurden die großen Hallen kaum umgebaut.

 

Loft-Feeling

Nachdem Warhol in den späten 60ern seine berüchtigte Factory in einem New Yorker Loft installierte, entdeckte man in den 80ern auch in Frankfurt, Berlin und vor allem Leipzig alte Lagerhallen, Feuerwachen und Kornspeicher.

 

Heute sind echte (und leider auch falsche und nur aus Verkaufsgründen so betitelte) Lofts heiß begehrt – trotz aller Herausforderungen! Denn die hohen Decken und die Offenheit bieten zwar in vielerlei Hinsicht riesige Vorteile, es bedarf aber auch einer ganz neuen Einrichtungsstrategie. Ein fast perfektes Beispiel – das wunderschöne Loft von Designerin Milena und Fotograf Blaise in Polen – stellen wir euch hier vor.

 

Das Loft von Designerin Milena

Der Wohnbereich

Das große Sofa funktioniert hier als zurückhaltender Raumtrenner, ohne die Offenheit des Raumes zu stark einzuschränken. Die große Stehlampe aber zeigt Höhe. Hohe Wände dürft ihr gerne mit hohen Lampen oder Bildern betonen. Diese Wände und Decken aus roten Ziegeln sind ja dafür gemacht, dass der Blick nach oben schweift.

 

Die Schneiderpuppe auf der ausladenden Fensterbank ist ein witziger Twist und Blickfang. Apropos Fenster: Bei einem Loft mit riesigen Fenstern sind maßangefertigte Gardinen oder Rollos eine gute Investition, um das Tageslicht draußen zu halten und eine Atmosphäre der Ruhe zu kreieren.

 

An der gegenüberliegenden Wand fällt der Blick auf eine schicke Dreierkombination aus Lederstühlen. Das Leder passt als Naturmaterial toll zu den unverputzten Ziegeln. Durch die drei Bilder darüber wird das Trio betont. Allgemein gilt beim Einrichten: Trios wirken für das menschliche Auge offener und damit angenehmer als Zweier- oder Viererkombinationen.

 

Individuelle Accessoires geben dem Loft Charakter

Die Küchennische

Die Offenheit des Lofts wirkt sich besonders auf zwei Dinge aus: Geräusche und Gerüche. Vor dem Einzug solltet ihr euch von der Hoffnung verabschieden, das eine oder das andere vollständig eindämmen zu können. Gegen Gerüche schafft eine starke Abzugshaube immerhin ein wenig Abhilfe!

 

Ansonsten fügt sich die Küche perfekt in den Stil des Lofts ein. Das dunkle Holz der Schränke harmoniert super mit den offenen Deckenbalken. Weiße Küchenschränke sind hier ein absolutes No-Go. Der Bistrotisch direkt am Herd ist eine konsequente Weiterführung des Loft-Themas, in dem alle Bereiche ineinanderfließen sollen. Die dunklen Bodenfliesen und die Milchglasscheibe „trennen“ den Küchenbereich lediglich visuell vom Wohnbereich ab, ohne harte Grenzen zu ziehen.

 

Offene Küche mit Bartisch

 Der Schlafbereich

Private Rückzugsorte sind in einem Loft ohne Türen Mangelware. Familien interessieren sich daher deutlich seltener für Loftwohnungen als Singles oder Paare. Für sie reicht eine solche Nische für das Bett vollkommen aus.

 

Da auch Gäste sofort Einblick in den Schlafbereich bekommen, ist eine schöne Tagesdecke eine gute Idee, um ein nicht gemachtes Bett vor neugierigen Blicken zu verstecken. Das dunkle Aubergine hält sich dezent im Hintergrund und zieht keine Aufmerksamkeit auf sich.

 

Die offene Garderobe hingegen offenbart ein Problem in Loftwohnungen: Stauraum. In klassischen Lofts gibt es nur vier Wände, und Schränke oder Sideboards sind mitten im Raum nur in Ausnahmefällen akzeptabel. Zum Glück wurden hier zusätzliche Wände eingezogen, die Platz für Klamotten und Co. lassen. Nicht viel, aber immerhin.

 

Offen und dennoch gemütlich

Zwischenräume

Wer einmal in einem Loft gewohnt hat, der wird bei Neubauten und kleinen Mietwohnungen schnell klaustrophobische Zustände bekommen. Andererseits seid ihr beim Einzug vielleicht überfordert vom Platzangebot eures neuen Lofts.

 

Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ihr begreift die (relative) Leere als etwas Positives, das euch Raum zum Leben und Denken lässt. Oder ihr nutzt den Raum kreativ. Ein kleiner Sessel mit passendem Pouffe in extravagantem Muster ist ein kleiner Bruch zum übrigen, minimalistischen Stil, der aber wunderbar funktioniert. Hier habt ihr Platz, um solche Dinge auszuprobieren.

 

Wenn ihr rausbekommt, welche Produkte früher in dem Speicher hergestellt oder gelagert wurden, solltet ihr das unbedingt in eure Einrichtung mit einfließen lassen. Ein modern eingerichtetes Fabrikloft, in dem man noch einen Hauch von Geschichte atmen kann … Kein Wunder, dass Loftwohnungen heute so begehrt sind!

 

Perfekt genutzter Zwischenraum