LIFESTYLE

Stilwissen: Das Bauhaus

 

Der Erfolg eines Stils zeigt sich vor allem dann, wenn er in der Alltagssprache so fest verankert ist, dass man seine Wurzeln schon fast vergessen hat. Der vielleicht bekannteste Vertreter dieser Kategorie ist das Bauhaus.

 

Von 1919 bis zu ihrem Verbot durch die Nazis 1933 prägte die Kunstschule zunächst in Weimar, später in Dessau die Geschichte von Architektur und Design so nachhaltig, dass wir ständig vom Bauhausstil reden, obwohl es DEN Bauhausstil gar nicht gibt. Aber was war das Bauhaus eigentlich?

 

Essgruppe mit Holztisch und Freischwingern im Bauhaus-Stil

Keine Angst. Hier kommt jetzt kein trockener, kunsthistorischer Exkurs. Wir folgen lieber – ganz im Sinne des Bauhauses – in unserer Form als Web-Magazin unserer Funktion als Inspirationsquelle. Wir haben euch deshalb zur Theorie viele Anwendungsbeispiele zusammengestellt, mit denen ihr den sogenannten Bauhausstil besser verstehen und umsetzen könnt.

 

Theorie: Form folgt Funktion

 

Der Grundgedanke von Walter Gropius war relativ simpel, als er das Staatliche Bauhaus zu Weimar gründete. Die Trennung zwischen den schönen und den angewandten Künsten war Gropius ein Dorn im Auge, da das Resultat oftmals ornamentale, aber sinnlose Verzierungen waren oder billige Reproduktionen ohne ästhetische Qualität.

Es müsse doch möglich sein, zugleich schlichte, schöne und vor allem funktionale Designs und Architektur zu entwerfen, die noch dazu serienmäßig produziert werden können. Erst die Funktion, dann die Form – form follows function

 

Die klassische Bauhaus-Tischleuchte

… und Praxis

Elegant entworfene und auf die Grundfunktion reduzierte Objekte sollten also Einzug in den Alltag halten. Der freischwingende Stuhl aus Stahlrohr von Mies van der Rohe, die runde Tischlampe WG24 von Wilhelm Wagenfeld oder der durch das Bauhaus inspirierte Eames Chair – Designikonen durch ihr klares und durchdachtes Design, handwerklich perfekt umgesetzt.

Theorie: Neue Sachlichkeit und neue Materialien

„Wir alle müssen zum Handwerk zurück! … Es gibt keinen Wesensunterschied zwischen Künstler und Handwerker. Der Künstler ist die Steigerung des Handwerkers.” (Bauhaus Manifest von Walter Gropius )

 

 

Bürostühle im Bauhaus-Stil passen auch als Esszimmerstühle

Der Umgang mit verschiedenen Materialien und Herstellungsarten gehörte im Bauhaus zur Grundausbildung. Stahl und Glas, rechte Winkel und modulare Stecksysteme, Rationalität und Reduzierung – das waren die Leitsätze der Bauhausler, die sich an Strömungen wie der Neuen Sachlichkeit oder der niederländischen „De Stijl“-Gruppe orientierten. Moderner Industrial Chic oder der minimalistische skandinavische Stil sind wiederum stark von den Bauhaus-Schülern inspiriert.

 

… und Praxis

Das Resultat war eine scheinbar emotionslose Ästhetik, die nicht überall gut ankam. Kühl, sachlich, geometrisch – im heutigen minimalistischen Design sind diese Dinge Alltag, doch im Vergleich zu den repräsentativen Stadtwohnungen der 20er Jahre waren sie für damalige Verhältnisse eine ästhetische Zumutung.

 

 

MIT DIESEN KEY-PIECES SCHAFFST DU DIR BAUHAUS-CHARME

 

Dabei waren viele Entwürfe gar nicht so gefühlskalt. Der überaus bequeme Barcelona Chair von Mies van der Rohe oder die farbenfrohen Bauhausteppiche – natürlich mit geometrischen Mustern und auf die Primärfarben Rot, Gelb und Blau beschränkt – sind perfekt für ein dezentes, aber sehr wohnliches Ambiente in euren vier Wänden.

 

In der schnellen, lauten und manchmal überladenen Welt von heute wohnt ihr mit der Reduzierung im Geiste des Bauhauses entspannter und bewusster.

 

Tulip Table von Saarinen wird hier kombiniert mit Bertoias Drahtstuhl

Theorie: Architektonisches Gesamtkunstwerk

„Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau!“ (Bauhaus Manifest)

 

Malerei, Weberei, Möbeldesign – das alles waren zwar eigene Fachrichtungen im Bauhaus, doch im Grunde richtete sich alles auf ein Ziel aus: die Architektur. Vom Grundriss über die Türklinke bis zur Seifenschale sollte alles den Prinzipien der Kunstschule untergeordnet werden.

 

Hannes Meyer, der Nachfolger von Walter Gropius als Bauhaus-Leiter, radikalisierte diese Idee bis hin zum modularen Plattenbau. Politisch links orientiert, richtete sich der Fokus der Entwürfe schon immer auf langlebigen Volksbedarf und nicht auf Luxusgüter.

 

Typische Bauhaus-Architektur: schlicht und schnörkellos

… und Praxis

Schlicht, funktional und einfach zu produzieren waren die Plattenbauten. Die kühle Sachlichkeit sollte auch den Ärmsten der Armen zugänglich gemacht werden. Die graue Kehrseite der Bauhaus-Medaille.

 

Die Idee jedoch, die Einrichtung eurer Wohnung einem klaren Konzept unterzuordnen, ist faszinierend. Begreift euer Eigenheim als Gesamtkunstwerk und wählt die Möbel nach ihren realen Funktionen aus. Daraus resultiert einerseits eine durchdachte Ordnung und andererseits eine Ästhetik, die gar nicht so kühl ist, wie ihr vielleicht glaubt.

 

 

Ein Bauhaus von innen: geradliniges Design und kein Schnickschnack

Moderne Interpretation des Bauhauses

Heute oszilliert die Interpretation des Bauhausstils zwischen sozialen Zweckbauten und hochwertigen Designerstücken. Ob Kaiser Idell Lampe oder Eames Chair, die Preise für die Klassiker steigen jedes Jahr. Doch wer sich für funktionales Design interessiert, muss kein Vermögen ausgeben.

 

Der Möbel-Minimalismus von heute bietet genügend Möglichkeiten, sich im Geiste des Bauhauses einzurichten. Etwas salopp ausgedrückt, könnte man sich vor dem Kauf eines neuen Möbelstückes einfach kurz fragen: Ist das (funktionslose) Kunst? Dann kann das weg!

 

Bauhaus-Stühle aus Holz kombiniert mit modernen Accessoires