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Der home24 Teppich-Style Guide

Teppiche sind ein wichtiges Deko-Objekt, aber gerade jetzt im November, wenn die Tage kürzer werden , wir immer weniger Tageslicht abbekommen und es kälter, regnerisch und einfach ungemütlich wird, wollen wir nicht auf sie verzichten. Wird es draußen so richtig unfreundlich, wollen wir es uns in unseren vier Wänden umso gemütlicher machen.

Damit ein Raum nicht nur wohnlicher wirkt, sondern auch unsere Füße immer schön warm bleiben, sind Teppiche essentielle Bestandteile der Einrichtung. Weil es so viel Wissenswertes rund um die dekorativen Bodenbeläge gibt, haben wir dir den home24 Teppich-Guide zusammen gestellt, der dich über die verschiedenen Verfahren der Teppichherstellung informiert, dir erklärt, welche Materialien verwendet werden und was eigentlich Flor ist.

Teppichmaterialien                                    Getuftete Teppiche
Was ist eigentlich Flor?                              Gewirkte Teppiche
Gewebte Teppiche                                      Teppichpflege
Geknüpfte Teppiche

Die Welt der Teppichmaterialien

Teppiche werden aus den unterschiedlichsten Materialien gefertigt. Die ursprünglichsten Materialien sind Naturfasern wie Bast, Sisal, Jute, Kokos, Seegras oder Abaca (auch Manilahanf genannt). Solche Teppiche sind flach gewebt und werden zur Stabilisation auf einer Latexunterlage fixiert. Entscheidest du dich für einen Naturfaser-Teppich zieht ein Stückchen Natürlichkeit in dein Zuhause ein.

 

Eine Unterart von Naturfaser-Teppichen sind Woll-Teppiche. Wolle ist von Natur aus schmutzabweisend und hat die Eigenschaft elastisch zu sein, da die Fasern nach dem Auftreten immer wieder in ihre alte Form zurück springen. Daher kannst du einen Teppich aus Wolle guten Gewissens auch in Bereichen mit viel “Verkehr” – zum Beispiel im Flur – verwenden.

In Zusammenhang mit Wolle muss noch ein weiteres Material genannt werden: Filz. Heute sind Filz-Teppiche relativ selten geworden, aber bei den Nomaden in der Mongolei halten die strapazierfähigen Teppiche die Wärme in den Jurten. Der Grund für die hervorragenden Wärme-Eigenschaften: Die Wolle wird vor der Verarbeitung sehr heiß gewaschen, wobei sich die Fasern schließen, sodass eine glatte Oberfläche entsteht. Auf diese Art der Herstellung werden die Teppiche sehr weich, gleichzeitig auch sehr robust.

 

Teppiche in natürlichen Farben schaffen eine ruhige Basis

Seit es Kunstfasern gibt, sind auch Polypropylen, Nylon, Polyamid oder Polyacryl populäre Materialien für Teppiche und aus der Teppich-Produktion nicht mehr wegzudenken. Heute bestehen die meisten Teppiche aus diesen Materialien. Der Vorteil von Teppichen aus Kunstfasern: sie sehen aus wie Woll- oder Naturfaser-Teppiche, sind aber extrem stabil, verschleißresistent und schmutzabweisend. Weiteres Plus: Sie behalten lange ihre ursprüngliche Farbintensität.

Kunstfaser ist übrigens nicht gleichbedeutend mit Plastik, denn diese Materialien können sehr wohl hochwertig sein. Bei Kunstfasern gilt also wie auch bei Baumwolle oder Seide, dass es große qualitative Unterschiede gibt.

Grundsätzlich gilt, dass mit der Menge der Kunstfasern die Strapazierfähigkeit eines Teppichs zunimmt und er pflegeleichter wird.  Außerdem sind Synthetik-Teppiche im Vergleich zu solchen aus Naturfasern wesentlich günstiger in der Anschaffung (je nach Ausführung).

 

Was ist eigentlich Flor?

Einen Begriff, den man in Zusammenhang mit Teppichen immer wieder hört, ist Flor. Flor bzw. Pol bezeichnet die durch die Garnfäden gebildete Oberfläche eines Teppichs. Man unterscheidet Hochflor- und Kurz- bzw. Niederflor-Teppiche. Der Unterschied ist, dass durch lange Garnfäden ein hoher Flor entsteht, der sich flauschiger und weicher anfühlt als ein niedriger. Wenn die Fäden so lang sind, dass sie nicht mehr aufrecht stehen können, spricht man von einem Langflor-Teppich. Solche Teppiche mit einem überlangen Flor kennt jeder: die zotteligen Shaggys oder die in den 70er Jahren beliebten Flokatis.

 

Während bei flauschigen Hochflor-Teppichen die Füße warm bleiben, haben Niederflor-Teppiche den Vorteil, dass sie auch bei Fußbodenheizung den Boden schmücken können. Außerdem sind sie weniger pflegebedürftig und strapazierfähiger als Hochflor-Teppiche.

 

Ein Stück Kunst: Gewebte Teppiche

Die Webtechnik ist die älteste Methode der Teppich-Herstellung und wird seit jeher von allen Kulturen praktiziert. Wurden die flachen Teppiche früher noch von Hand gefertigt, helfen heute Maschinen die Bodenbeläge herzustellen. Der Vorteil: Das Webbild ist regelmäßiger, Muster sind leichter zu realisieren und der Flor kann höher ausgeführt werden.

 

Die intensiven Herbstfarben der Teppiche von zum Beispiel Wecon versprühen heimelige Wohlfühlatmosphäre

Um einen Webteppich herzustellen, bedarf es einem Zweifadensystem aus Kett- und Schussfaden. Diese zwei Fäden werden immer im rechten Winkel miteinander verkreuzt, sodass ein Gewebe entsteht. Auf diese Weise ist das Muster sowohl von der Vorder- als auch von der Rückseite sichtbar. Das hat den Vorteil, dass man Webteppiche ab und zu mal von der anderen Seite verwenden könnte.

Zu den Materialien für Webteppiche zählen Naturfasern wie Schurwolle, Baumwolle, Leinen, Sisal oder Seide und Kunstfasern wie Polyester, Polyamid oder Acryl. Am häufigsten bildet jedoch ein Gemisch aus Schurwolle und Jute den Garnkern, während die Nutzschicht meist aus reiner Schurwolle besteht.

 

Wusstest du schon? Webteppiche sind beidseitig verwendbar. Also falls eine Seite mal dreckig sein sollte und der Fleck einfach nicht raus will: einfach umdrehen

Ist der Teppich fertig gewebt, können die Enden entweder als Fransen abgeknüpft oder zu einer Kante verarbeitet werden. Während früher Fransen sehr beliebt waren, werden heute 90% aller Webteppiche mit Kante gefertigt. Der Vorteil: Man muss nicht immer die Fransen glatt ziehen – wie früher bei Oma.

Übrigens: Neben sogenannten Polteppichen (solchen mit Flor) gibt es flach gewebte, die keinen Flor haben – sie nennen sich Flachgewebe.

 

Je mehr Knoten, desto wertvoller: Geknüpfte Teppiche

Im Vergleich zu gewebten Teppichen werden Knüpfteppiche nicht überall auf der Welt hergestellt, sondern vorwiegend im Orient und in China (weswegen viele Knüpfteppiche auch zu den Orientteppichen zählen). Auch hinsichtlich des Flors unterscheiden sie sich von Webteppichen: Ihr Flor ist weich und besteht aus Fasern, die aufrecht stehen – dem sogenannten Hochflor.

Einen Teppich zu knüpfen ist die aufwändigste Art einen Teppich herzustellen. Von Hand geknüpfte Teppiche werden auf Knüpfstühlen gefertigt, an denen je nach Größe des Teppichs mehrere Knüpfer gleichzeitig arbeiten können. Der Knüpfstuhl ist bespannt mit Kettfäden aus Baumwolle, in die horizontal sogenannte Flormaschen geknüpft werden. Diese bestehen meist aus Schafwolle, bei besonders kostbaren Teppichen aus reiner Seide. Die einzelnen Fäden werden dann Knoten um Knoten, Zentimeter um Zentimeter auf die gesamte Teppichbreite eingeknüpft. Immer wenn eine Reihe fertig geknüpft ist, folgen zwei Reihen Schussfäden, danach wird wieder eine Reihe geknüpft. Am Ende wird der Flor mit Handscheren auf eine einheitliche Länge gekürzt.

 

Übrigens: Je enger die Flormaschen eines Teppichs verknüpft werden, umso weicher und stabiler ist er. Mit der Anzahl der Flormaschen bzw. der Knoten steigt auch der Preis. So kann ein besonders hochwertiger Teppich bis zu 1 Million Knoten auf einem Quadratmeter haben.  Persische Teppiche aus Seide sind beispielsweise sündhaft teuer – die grobmaschig geknüpften Kunstfaserteppiche dagegen vergleichsweise günstig.

 

Laufen wie auf Wolken laufen: Getuftete Teppiche

Das Tufting-Verfahren wird heute in der Teppichherstellung am häufigsten angewendet. Die Technik hat ihren Ursprung im beginnenden 17. Jahrhundert in den USA. Das Wort Tuft stammt aus dem Englischen (tuft) und heißt so viel wie Büschel.

Das Prinzip ähnelt dem der Nähmaschine: Nadeln stechen das Garn büschelweise in das Grundmaterial, welches meist aus Vlies besteht. Die Nadeln sind auf der Gesamtbreite des Teppichs angeordnet und stechen gleichzeitig durch das Material. Bevor sie wieder herausgezogen werden, wird das Garn von Greifern festgehalten, wodurch Schlaufen entstehen. Das Ergebnis nennt man Schlingenflorteppich. Werden die Schlingen mit einem Messer aufgeschnitten, spricht man von einem Schnittflorteppich (auch Veloursteppich).

Für Katzenbesitzer ist auf jeden Fall ein Schnittflorteppich dem erstgenannten vorzuziehen, weil dort durch das Verhaken der Krallen keine unschönen Fäden entstehen können.

Die Technik des Tufting kann übrigens auch per Hand durchgeführt werden. Die maschinelle Fertigung hat aber den Vorteil, dass Büschel mit besonders langen Fäden eingeschossen werden können. Außerdem kann so leicht zwischen unterschiedlichen Höhen, Strukturen und Mustern variiert werden.

 

Geometrische Muster sind gerade heute sehr beliebt und avancieren in Kombination mit Tuft zu echten Hinguckern (hier: Teppiche von Safavieh)

Meistens bestehen Tuftteppiche aus Polyamid. Es werden aber auch andere Materialien wie Schurwolle, Polyester, Polyacryl, Baumwolle oder Seide verarbeitet.

Da getuftete Teppiche auf der Rückseite mit Gummi überzogen werden, um die Garne zu befestigen, haben sie den Nachteil, dass sie nicht waschbar sind. Dafür wirken sie aufgrund ihrer Flauschigkeit unglaublich gemütlich  – man möchte am liebsten nur noch barfuß gehen.

 

 Die Vielseitigen: Gewirkte Teppiche

Einige flache Teppiche, die auf den ersten Blick wie Webteppiche aussehen, sind streng genommen gewirkt. Das Besondere dieser Teppiche: Der Schuss wird nicht über die gesamte Teppichbreite in den Kettfäden verarbeitet, sondern nur bis zum Rand des jeweiligen Musters bzw. der farbgebenden Fläche und von dort wieder zurück – gut zu sehen im unteren mittleren Bild. Diese Technik ist eine uralte Tradition der Nomaden, die die Teppiche aufgrund ihres geringen Gewichts auch als Wandbehang benutzt haben.

 

Oh Schreck, ein Fleck! Tipps zur Teppichpflege

Damit du an deinem Teppich lange Freude hast, solltest du ab und an ein bisschen Zeit in die Reinigung investieren. Wenn möglich, sollte ein Teppich regelmäßig, am besten ein Mal in der Woche gesaugt werden. Der Grund: Staub und Schmutz aus der Luft setzen sich tief in den Fasern ab, wenn nicht regelmäßig Staub gesaugt wird. Bei Teppichen, die nur teilweise verschmutzt sind – zum Beispiel im Flur, kommt die Zwischenreinigung zum Einsatz. Hier wird ein Pulver auf den Teppich gestreut und mit einer Bürste einmassiert. Wenn alles getrocknet ist, werden die Reste des Pulvers wieder abgesaugt.

Die wirksamste Methode der Teppich-Reinigung ist die Grundreinigung. Hierbei braucht man die Hilfe eines Fachmannes: Der trägt mit einer speziellen Sprühmaschine ein Reinigungsmittel auf den Teppich, massiert es ein und saugt anschließend den Teppich ab. Nach der Trocknung  wird nochmal mit einem speziellen Sauger nachgesaugt.

 

Besonders Teppiche mit langem Flor sollten regelmäßig staubgesaugt werden

Übrigens: Dass Rotwein- oder Schokolade-Flecken am besten sofort behandelt werden, ist eigentlich bekannt, es kann aber nicht schaden, seiner besseren Hälfte….. Dazu nimmt man am besten ein saugfähiges Tuch (ideal ist ein weißes Baumwolltuch) und dreht den Fleck mit Druck von außen nach innen heraus. Alternativ kann man Flecken auch mit Fleckenentfernern und Extraktionsreinigern zu Leibe rücken. Aber Vorsicht! Besonders wichtig ist, den Fleck nicht zu verreiben. Denn wenn die Flecken erst einmal im Teppich eingetrocknet sind, können sie mit den Fasern chemisch reagieren. Das Ergebnis sind unschöne, dauerhafte Flecken.

Damit dein Teppich auch an Ort und Stelle bleibt, ist eine Teppichunterlage eine gute Idee. Besonders, wenn der Boden glatt ist (Fliesen oder Laminat) eignet sich eine Vlies- oder Gummi-Unterlage perfekt.

Wie auch immer dein Geschmack ist: Teppiche sind eine hervorragende Methode einem Raum einen Rahmen zu geben und das gewisse Etwas zu verpassen. Die Möglichkeiten sind unglaublich vielseitig und mit ein bisschen Suche findest auch du deinen Traum-Teppich. Stöber doch einfach in unserem umfangreichen Teppich-Sortiment.

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